Das Hutzgüri, früher auch Gytzgyr oder Hutzgyr genannt, ist ein heidnischer Heischebrauch. Dieser Brauch reicht gemäss den Forschungen des im Jahre 2000 verstorbenen Gelterkinder Heimatkundlers Eduard Strübin bis weit in die alemannische Zeit zurück. Die Fasnacht im heutigen Sinne war damals noch längst nicht «erfunden».

Überlieferungen und Dorfchroniken belegen tatsächlich, dass in früheren Jahrhunderten in zahlreichen Dörfern - nicht nur im Baselbiet - solche Heischegestalten umgiengen. Es waren in Lumpen gehüllte, mit Fellen und Reisig geschmückte vermummte Gestalten, die von Haus zu Haus zogen, um dort Essbares zu heischen. Mitte des 19. Jahrhunderts indes verschwanden diese heidnischen Gestalten von der Bildfläche. Offenbar war es plötzlich nicht mehr zeitgemäss, diesen Brauch unter dem zunehmenden Einfluss der Basler Fasnacht noch weiterleben zu lassen. Der Begriff Hutzgüri fand höchstens noch Verwendung für unordentlich gekleidete Frauen: «Du chunnsch jo derhäär wie nes Hutzgüri».

Einigen initiativen Sissacher Fasnächtlern (und wohl nicht zuletzt auch den Nachforschungen Strübins) ist es zu verdanken, dass 1961 das seit Jahrzehnten verpönte «Hutzgüri» wieder zu neuem Leben erweckt wurde. Gut möglich, dass diese seit vielen Jahrzehnten verpönte Gestalt gerade recht kam, um dem «fasnächtlichen Allerweltsbetrieb die alte einfache und urchige Baselbieter Dorffasnacht» entgegenzustellen. Bei Lichte betrachtet hat es wohl viel zu tun mit der Schaffung einer eigenen Identität und der Abgrenzung zur Stadt. Parallel dazu erlangte auch die Bauernfasnacht in den ländlichen Gegenden des Baselbiets wieder eine Renaissance.

Das Sissacher Hutzgüri verschwand zwar einige Jahre nach seiner Wiedergeburt wieder. Mitte der achtziger Jahre aber wurde es wieder «aktiviert». Seither geht in der Oberbaselbieter Metropole das Hutzgüri jeweils am Abend nach Aschermittwoch um, begleitet vom «Schärmuuser», dem «Vehdokter», dem «Bott» und den «Wäibelwybern» (auch «Eierwybli» genannt) um.

Das Sissacher Hutzgüri stand dann - freilich unbewusst - Pate bei der Wiedergeburt des Rothenflüher Hutzgüri. Am 29. Hornig 1992, der Nacht des Schaltjahr-Tages, entstieg nach einer Pause von rund 150 Jahren seiner Versenkung und zog mit seiner Horde durch die Gassen von Rothenfluh.

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