29. Hornig 1992: Nach einer «Pause» von rund anderthalb Jahrhunderten taucht an diesem Abend des Schaltjahr-Tages plötzlich wieder das «Hutzgüri» auf. Zusammen mit dem «Bott», dem «Schärmuuser» und den beiden «Eierwybli» erscheint es schlags 19 Uhr und macht die Gassen von Rothenfluh unsicher.
Unheimlich sieht es aus, das drei Meter hohe Hutzgüri, eine Mischung zwischen Mensch und Tier, mit zwei eindrucksvollen Hörnern auf dem Haupt, einem Kleid aus Misteln, Efeu und Tannästen.

Das Wesen wird vom Schärmuuser an der Kette geführt. Der Bott in Uniform führt den Tross, zu dem auch die beiden Eierwybli gehören, an. Die Eierwybli tragen besuchten «Opfern» ist nämlich in ihrem eigenen Interesse empfohlen, dem Hutzgüri nicht mit leeren Händen Hutten am Rücken, in der einen Hand eine Laterne, in der anderen einen Stecken mit angebundenen «Söiblootere». Die Hutten werden im Verlaufe des Abends mit allerlei Köstlichkeiten gefüllt, die die wilde Schar erheischt. Den gegenüber zu treten.

Inzwischen ist ein volles Jahrzehnt vergangen. Das Hutzgüri und seine «Gschpöönli» sind Jahr für Jahr aufgetaucht. Weil das Hutzgüri den «Opfern» zuweilen «d Chuttle putzt», in es in manchen Jahren zu einigen Turbulenzen rund um den wiederaufgelebten Brauch gekommen. Doch mittlerweile, so scheint es, hat sich die Einwohnerschaft von Rothenfluh an die rauhe Horde gewohnt, sie sogar ins Herz geschlossen. Denn die vergangenen Jahre haben bewiesen, dass es eine Ehre ist, vom Hutzgüri heimgesucht zu werden.

Wer sich hinter dem Rothenflüher Hutzgüri und seinem Begleittross verbirgt, ist seit Jahren Gegenstand wilder Spekulationen. Doch schon mehrmals haben sich Vermutungen buchstäblich in Luft aufgelöst.

Bereits zum vierzehnten Mal in der jüngeren Geschichte des Dorfes unter der Roten Flue kündigt sich das Hutzgüri und seine Kumpanen an. Am Freitagabend, den 28. Jänner, wird sich kurz nach sieben Uhr abends ein knappes Dutzend Einwoher/innen auf den Besuch der lauten Sippe gefasst machen müssen.

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